FAM Konzept

Unser Trainingskonzept basiert zum Teil auf der Parkour Philosophie, zum Teil auf unseren eigenen Überzeugungen. Im Folgenden sind die wichtigsten Maximen unserer Vereinsphilosophie beschrieben. Wir sind fest davon überzeugt, dass das Sporttreiben dadurch einen neuen Charakter gewinnt: es ist alltagsbezogen, aufs Engste mit Spaß verbunden und hat einen spürbaren pädagogischen Wert.

KEIN TERMINSPORT, SONDERN LEBENSSTIL

Das heutige Leben läuft nach Terminen ab. Auch für sportliche Bewegung gibt es meist feste Termine, sogar bei den Kindern. Dafür werden allerlei spezielle Räume verschaffen. Unsere Gesellschaft fühlt sich bedroht durch die Kinder, die sich bewegen. Ein frei laufendes Kind könnte ja einen Erwachsenen schwer verletzen! Noch schlimmer ist es, wenn Kinder dabei schreien. Dafür gibt es Sportstunden, aber dort muss man sich auch erst einmal hinsetzen und zuhören, und bloß nicht herumlaufen. Das ist verständlich für einen Erwachsenen, der Verantwortung für die Gruppe hat, aber unverständlich für den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder.

Wir möchten unseren Mitgliedern die Bewegung näher bringen, wir motivieren sie und zeigen, wie man Bewegung in den Alltag einbauen könnte. So ist Parkour kein Sport, den man zweimal wöchentlich macht, hingegen lebt man Parkour und nutzt jede Gelegenheit, sich zu bewegen, stärker und geschickter zu werden. Dies liegt in der Natur jedes Menschen. Diese Einstellung schafft eine Grundlage zum lebenslangen spaßerfüllten und möglichst verletzungsfreien Sporttreiben.

ALS BABY ANFANGEN, NIE AUFHÖREN

Kinder sind bessere Bewegungskünstler, als Erwachsene. Sie haben die angeborene Liebe zur Bewegung und den Drang, die Welt und sich selbst zu entdecken. Bei vielen Menschen heutzutage verblassen mit der Zeit diese wertvollen Eigenschaften und geben Platz dem Massendruck, Sozialnormen und Hemmungen. So verlernen viele Erwachsene sich alleine des Spaßes halber zu bewegen. Sport wird dann mit einem Zweck verbunden, wie z.B. Abnehmen oder Leistung. In unserem Training versuchen wir, den Bewegungs- und Entdeckungsdrang zu unterstützen bzw. wieder zu wecken, falls diese schon weg sind.
 
FIT FAMILY - miteinander und voneinander lernen
Da Parkour auf natürlichen Bewegungsmustern (Grundbewegungsformen) des Menschen basiert und frei vom Wettkampfgedanken ist, lässt er sich perfekt an die Bedürfnisse der ganzen Familie und jedes Einzelnen anpassen.
Das Training im Verein ist so konzipiert, dass möglichst mehrere Familienmitglieder gemeinsam daran teilnehmen können. Bei Angeboten ab 12 Jahre können auch Erwachsene mitmachen. Bei einigen Kindertrainings findet parallel das Mama-Papa-Training (Training für Erwachsene) statt. Und das neue Familienprojekt LIMAX spricht speziell Eltern und kleine Kinder bis 5 Jahre an.
Kinder und Eltern erleben Herausforderung und Freude miteinander, entwickeln gemeinsame Interessen, Gesprächsthemen und werden dadurch einander näher. Ein Kleinkind ahmt dem Papa nach und macht seinen ersten Purzelbaum, der pubertierender Sohn erkennt, dass Mama auch cool ist, die Eltern lernen von den Kindern, sich zu trauen und auszuprobieren. Gemeinsam hat die Familie Freude!

SICHERHEIT

Der Begriff 'sicher' ist sehr subjektiv. Es wäre für die meisten von uns nicht sicher, ein Flugzeug zu steuern, jedoch ist es für einen Piloten eine Alltagssituation, weil er viel geübt hat, sich mit den möglichen Gefahren auseinandergesetzt hat und darauf reagieren kann. 
In unserem Training überarbeiten wir das in vielen europäischen Köpfen verankerte Konzept der Sicherheit beim Sport. Die Sicherheit kommt, unserem Konzept nach, nicht von außen: nicht durch die "vereinfachte" Umgebung (Matten), nicht durch Vermeidung der Gefahrensituationen und nicht durch die ständige Hilfestellung. Die wichtigsten Voraussetzungen für die Sicherheit kommen von innen: durch die aktive Auseinandersetzung mit der Gefahr (ggf. unter Anleitung/Aufsicht), das Kennenlernen der eigenen Körpermöglichkeiten, den Aufbau des Bewegungsrepertoires und die stufenweise Verarbeitung möglicher Gefahrensituationen vom Leichten zum Schweren.
 
BEWEGUNGSFREIHEIT

Die wichtigste Vorgabe in unserem Vereinstraining und im Parkour allgemein ist die Sicherheit. 

Es gibt im Parkour eine Reihe Grundbewegungen, die wir beim Anfängertraining vermitteln. Diese Grundlagen geben einen allgemeinen Überblick über die Hindernisüberwindung mit Hinblick auf die Effizienz und Sicherheit. Durch weitere Übung werden die Grundelemente erschwert und aneinander gekoppelt. Als höchste Kunst gilt flüssige Bewegung mit maximaler Körperkontrolle und Kreativität beim Ankoppeln bekannter und Erfindung neuer Bewegungen.

KEIN WETTBEWERB

Der Verein FAM Münchene.V. lehnt den Wettkampfgedanken ab. Es geht nicht um die Leistung, sondern um die angeborene Liebe zur Bewegung, Kreativität und Verbesserung der eigenen Fitness. Darum spricht man eher von einer Bewegungskunst als vom Sport im engeren Sinne.

Als eine Alternative zum Wettbewerb werden Jams organisiert. Die Sportler treffen sich, trainieren zusammen, lernen voneinander, verbringen die Zeit wie alte Freunde und haben Spaß miteinander. Der wichtigste Jahresevent des Vereins FAM München e.V. ist die FAMJam.

Eine Maxime der Parkour-Philosophie besagt: das Ziel des Trainings ist es, besser zu werden statt besser zu sein (als die anderen). So wird das Training zu einer Art Wettbewerb mit sich selbst mit dem Ziel, Kraft, Körperkontrolle und neues Können aufzubauen. 

Der klassische Wettbewerb hat, nach unserer Meinung, einige Nebeneffekte, die die Trainingsmotivation und Trainingsablauf beeinträchtigen und dadurch negativ auf die Person auswirken können. Hier sind einige Punkte des klassischen Wettbewerbs aus unserer Sicht, verglichen mit den entsprechenden Ideen unseres Bewegungskonzeptes (nur Tendenz, keine Regel):

Klassischer Wettbewerb FAM Bewegungskonzept, basierend auf Parkour Philosophie
Motivation für neue Leistung ist Anerkennung von anderen, ggf. materielle Belohnung Bewegung zum Selbstzweck                                      
Harte Trainings, insbesondere vor dem Wettkampf Training angemessen dem eigenen Zustand
Training nach dem Plan und mit vom Trainer bestimmten Zielen Bedachtes Training mit möglichst viel Selbstorganisation, aber auch Bewegung rein zum Spaß (wie bei den Affen)
Von außen bestimmter, begrenzter Bewegungsrepertoire Offenheit für neue Bewegungsmuster, Kreativität, unbegrenzte Trainingsziele
Erhöhte Verletzungsgefahr durch psychischen Druck und Überschätzung eigener Kräfte beim Wettkampf Kein Leistungsdruck. Orientierung auf sich selbst
Unterschiedliche Zukunft der ehmaligen Wettkampfsieger: mögliche negative Folgen sind Verlust der Motivation, Ausschöpfung neuer Trainingsziele, Sportverbot durch mehrfache Verletzungen, Übergewicht durch neues Verhältnis an Energiezufuhr vs. Energieverbrauch Tendenziell lebenslanges gesundheitsorientiertes Sporttreiben mit dem Ziel der Steigerung bzw. Erhaltung eigener Fitness

WO FÜHRT BEWEGUNG HIN

Bewegung ist gut nicht nur für den Körper. Mit dem Körper wird auch der Geist bewegt: Wahrnehmung, Sprachentwicklung, Kommunikation, Gehirnflexibilität - alles profitiert von der Bewegung. Neue Situationen stimulieren die Sinne auf neuen Wegen, fordern neuen Wortschatz, schulen den Umgang mit den Kameraden und den Trainern, spornen das Gehirn an, nach Lösungen für bis jetzt unbekannte Aufgaben zu suchen. Sport unterstützt unter anderem die Entwicklung der Konzentration und Reaktion. Durch die Anspannung lernt man die Entspannung, was der Mensch beim heutigen Lebensrhythmus dringend braucht. 

Parkour und Erlebnisturnen eignen sich perfekt als eine feste Basis für jede andere Sportart. Der Vorteil besteht darin, dass menschliche Grundbewegungen (Laufen, Springen, Klettern, Balancieren, Rollen, Hängen etc.) gleich Grundbausteine dieser Sportarten sind. Hier werden konditionelle und koordinative Fähigkeiten im hohen Umfang angesprochen, alle Muskelgruppen sind im Spiel, und der Körper wird beidseitig trainiert.